• Instagram
  • White Facebook Icon

© 2019 PETRA EGGENSCHWILER

BERICHTE

Sieg am INFERNO TRIATHLON

August 21, 2019

Man muss durch die Hölle gehen, um in den Himmel zu kommen. Wie treffend. Wie passend für ein Rennen wie den Inferno Triathlon. Das folgende Strecken-/Höhenprofil sagt wohl alles aus über die 152km und rund 5500 Höhenmeter. 

 

Es war eines meiner Hauptziele meiner Wettkampfsaison, einmal zuoberst auf dem Infernotreppchen zu stehen. Einmal als allererste Frau das Schilthorn zu erreichen.

 

Die Woche vor dem Inferno hat sich dieses Ziel jedoch leider in weite Ferne verschoben, beziehungsweise ich hatte es mir zu 95% abgeschminkt überhaupt zu starten. Eine Woche zuvor nutzte ich den Glacier3000Run als ideale Vorbereitung für den abschliessenden Lauf am Inferno aufs Schilthorn, Topographie und Härte waren ähnlich, ausser dass der Glacier halt ein reiner Lauf war, ohne Vorbelastung. Leider holte ich mir jedoch am Glacier3000 eine Fussverletzung, Flüssigkeit unter dem Schleimbeutel, konnte tagelang nur humpelnd und mit Schmerzen gehen. Trotzdem, ich hab in dieser Woche alles unternommen, um den Fuss einigermassen einsatzbereit zu machen. Physio, Massage, Blackroll, viiiele Salben, Wickel, etc.... es hat genützt! Ab Donnerstag humpelte ich nicht mehr, am Freitagmorgen testete ich es kurz beim Laufen (15min) und ja, ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass der Fuss zu 100% bereit wäre für den 25km Lauf aufs PizGloria. Aber irgendeine Stimme in mir sagte, es könnte gut kommen. Ich bin und war nie die Person, welche mit einer Verletzung laufen geht, aber ich hatte ein gutes Gefühl und wollte all die höhenmeterintensiven Sommertrainings umsetzen und zeigen, dass sich diese auch gelohnt haben. Es war ein Risiko, auch mental nicht einfach wenn man bereits im See nicht weiss ob der Fuss nach dem Losrennen in Stechelberg halten würe, geschweige denn die 3h20min aufs Schilthorn! Einen Tag vor dem Inferno entschied ich mich dafür, es dennoch zu versuchen.

 

RACEDAY

Thun, 17.8.19, 6.00 Uhr morgens. Das Strandbad war voll, voll von Athleten, Supporter, Zuschauer welche zu Frühaufsteher mutierten, Organisatoren, Ballone, und einer wahnsinns Stimmung. Eine Stimmung die ich bis jetzt nirgends sonst erleben durfte. Vorfreude und Respekt wechselten sich ab, vorallem wohl bei den Single Athleten und Athletinnen, welche die gesamte Strecke alleine bewältigten. Der See schien ruhig, das Wetter in der Morgendämmerung genial. Vom Strand aus war das Schwimmziel beim Schloss Oberhofen sichtbar. Um 6.29 Uhr wurde es Mäuschenstill, Gänsehautstimmung (nicht nur des kalten Thunersees wegen), der Startschuss erfolgte 6.30 Uhr und die Ballone stiegen in die Höhe. Die Höhe war auch für uns Athleten das Tagesziel, aber an das durfte man jetzt noch nicht denken. Der still scheinende See mutierte sich zum Leide vieler Athleten als mit gegenströmigen Wellen geschmückte Katastrophe, was das Schwimmen zusätzlich ziemlich erschwerte. Ja ich bin nicht die schnellste Schwimmerin, dies stresst mich aber schon längers nicht mehr, da ich weiss wo meine Stärken liegen ;-)

Nach 1h06min erreichte auch ich Oberhofen, als 17. Single Athletin, also sogar noch in der ersten Hälfte!! Gar nicht mal so schlecht :-) ab aufs Rennvelo, yesss meine Disziplin!!! Es lief mir super, hatte perfekte Beine wohl auch deshalb, weil sie total erholt waren von meiner Fussgeschichte. Nach etwa einer Minute gings bereits mächtig zur Sache, bergauf nach Beatenberg. Ich hatte das Gefühl rauf zu fliegen, war ausschliesslich am überholen, machte bereits bis Beatenberg einige Ränge gut. Ich wusste auch, ans Limit gehen zu müssen da ich soviel aufzuholen hatte. Gesagt getan, auch in der Fläche nach Meiringen pushte ich ein ordentliches Tempo, Gegenwind in Interlaken hin oder her. Kurz nach Brienz konnte ich eine weitere Single Athletin überholen, dass sie die Führende war wusste ich nicht. Dann kam der brutale aber wunderschöne Aufstieg auf die Grosse Scheidegg auf 1950 müm, bei welchem ich wiederum kein Schonprogramm eingelegt hatte. Nach einer rasanten Bergabfahrt nach Grindelwald in die Wechselzone wurde es dort mächtig laut, der Speaker machte lautstark klar dass ich es geschafft hatte die Spitze zu übernehmen! Ich konnte es fast nicht glauben, die Spitze am Inferno! Der Wechsel aufs Mountainbike ging flott, noch etwas Ovo-Schoggi und ein Biberli und ab die Post! Meine Eltern und Freund feuerten mich mächtig an, wie auch die zahlreichen Zuschauer, einfach toll! Und so gings auch sofort rauf, rauf auf die Kleine Scheidegg auf 2150 müm. Jedoch spürte ich schon sehr bald, dass meine Beine ziemlich leer waren... war es doch eine Spur zu schnell auf dem Rennrad?! Egal, versuchen alles zu geben, aber es war hart und zwar richtig hart. Ganz obem gab es ein paar steile Schotterrampen, die sind mit frischen Beinen schon extrem brutal. Es sind richtige Beintöter!!! Zweimal musste ich kurz laufen, es ging nicht anders. Yessss mit letzter Kraft oben angekommen, Bananen und Ovischoggi waren oben meine Retter. Jetzt die rasante und nicht ungefährliche Abfahrt nach Lauterbrunnen, es verlangte viel Konzentration und auch hier konnten sich die Beine kaum erholen. In der Wechselzone in Stechelberg endlich angekommen überholte mich eine Konkurrentin, Alexandra, eine wahnsinnig starke Bikerin! Jetzt wusste ich erst recht, dass meine Füsse und ich selber keine Schwächen zeigen durften. Der Berglauf ist mein Terrain, meine Stärke und meine absolute Leidenschaft! Doch es war extrem fraglich ob ich überhaupt die 5 flachen Kilometer bis Lauterbrunnen schaffen würde, geschweige denn nach Mürren, geschweige denn aufs Schilthorn auf 3000 müm!!! Meine Konkurrentin war weg, ich musste noch einen WC Stop einlegen (muss auch mal sein ;-) ) dann aber Laufschuhe an, Shirt gewechselt und los! Aber ja, nach fast 7h Wettkampf noch die 25km und etwa 2200 Höhenmeter rauf aufs Schilthorn, und das mit sehr müden Beinen und dem Ungewissen ob der Fuss mitmacht, nicht gerade eine easy Aufgabe. Egal, alle negativen Gedanken weg und die letzte Etappe in Angriff nehmen! Die motivierenden Zurufe taten gut, das Publikum und meine Angehörigen gaben alles, ich wollte sie keinesfalls enttäuschen. Tatsächlich gings recht flott, das Tempo war gut und den Fuss spürte ich zwar aber nicht schlimm. Nach rund 5 Minuten konnte ich sogar die Führende ein- und überholen, übernahm somit wieder die Führung. Jedoch kein Grund nachlässig zu werden, im Gegenteil. Ich wusste nicht wie lange ich schmerzfrei sein kann, darum wollte ich ein gutes Polster aufbauen. Ein Problem jedoch gabs doch noch: ich hatte vom Orthopäden so kleine Silikon Ferseneinlagen, welche die Ferse entlasten sollten, und ich benutzte sie zum ersten Mal. Das Resultat war, dass der Vorfuss umso stärker belastet wurden und mir die Vorfüsse stark zu brennen begannen. Die Zehen taten weh, doch ich wollte die Pads nicht entfernen aus Angst, die Ferse zu sehr zu belasten. So konnte ich auch nicht so laufen wie ich wollte und theoretisch auch könnte. Aber mein nächstes Etappenziel war Mürren nach 17km und rund 900 Höhenmeter. Dort war denn auch das Ziel der Team Athleten, und auch meine Eltern und mein Freund warteten dort auf mich. Ich war extrem froh endlich dort zu sein, eine wahnsinns Stimmung, so viele Leute und in jeder Beiz an der Strecke ein riesen Gejubel und Applaus, motivierende Zurufe und Freude als das erste Mädel zu rennen kam :-) sooo schön!!! Nach einer Verpflegung mit (was auch sonst) Isotee, Ovischoggi und Cola gings weiter. So, ab jetzt startet der Inferno! Ab jetzt kommt der richtig schöne Teil, aber auch der mit Abstand härteste. Ab jetzt ist man praktisch alleine unterwegs. Nur Single Athleten gehen bis ganz nach oben. Es sind zwar viele Wanderer am Anfeuern aber man weiss genau, was da noch kommt. Und ich wurde langsamer, das Vorfussbrennen stärker, dann am Kanonenrohr (ein waaaahnsinns steiler Teil zwischen Mürren und Birg) machte mich eine nette Zuschauerin darauf aufmerksam, dass dann die Männer vor mir hier auch gewandert seien. So machte ich es dann auch, dort rauf rennen war kein Thema mehr. Schon schneller gehen war extrem intensiv. Irgendwann entschied ich mich doch, die Fersenpads zu entfernen und bereute, es nicht schon früher getan zu haben. Es war nun einiges besser mit den Füssen, auch die Ferse war okay. Ich wechselte ab mit rennen und die steilen Stücke wandern. Unterhalb Birg (Station zwischen Mürren und Schilthorn) wartete mein Freund und ich war soooo froh ihn zu sehen. Er gab mir auch die Gewissheit, dass hinter mir keine Frau sichtbar sei, aber der Abstand wussten wir natürlich nicht. So konnte ich auch nicht nachlassen, musste weiterhin alles geben. Die Temperatur wurde immer kälter, die Beine leerer, der Körper müder mit jedem Schritt. Trotzdem, so viel rennen wies geht. Das Schilthorn war sichtbar aber in einer Distanz und Höhe welche einem fast den Atem und alle Träume dort oben je anzukommen raubte. Die Verpflegungsstellen waren jedesmal Goldwert. Dann kam die Letzte, es bog links ab und ging sofort den Felsen hoch, mit allen Vieren. Spätestens jetzt erforderte es jedes letzte Quäntchen an Konzentration und Kraft, nicht zu vernachlässigen die dünne Luft dort oben! Es war extrem steinig, steil, unregelmässig und manchmal gabs einen Schritt zurück, ehe es wieder vorwärts ging. Der Speaker oben war zu hören, doch es wollte kein Ende nehmen. Ein in Alufolie eingepackter Single Athlet sass auf einem Stein, solche Bilder erschrecken. Ich schaute nach hinten, kein Mensch in Sicht, vor mir der wunderschöne Gipfel, das Ziel!!!! Nun konnte ich es allmählich realisieren: Ich werde als erste Frau die Ziellinie des Inferno Triathlon 2019 überqueren :-) unbeschreiblich, gerührt und überglücklich, halb erfroren, todmüde aber unfassbar stolz!

 

Viiiielen Dank an meine Eltern und mein Freund, und Höisu, welche an dem Tag alles für mich gegeben hatten, mich unterstützt und motiviert haben. Mit mir gelitten und sich gefreut. Das ist so viel wert! Und viiielen Dank an alle Zuschauer und Helfer, wie ihr ausgeharrt und euer Bestes gegeben habt, angefeuert und gejubelt, einmalig :-) und dann erst das OK dieses Rennens, was ihr leistet um ein solch anspruchsvolles Rennen auf diesem Terrain überhaupt zu ermöglichen, da gibts fast keine passenden Worte ausser ein riesengrosses Dankeschön und Respekt für alles was ihr leistet!

 

Riesen Gratulation an Alexandra Zürcher (2.) und Sabine Stalder (3.), es war ein tolles Rennen!

Und fetten Gratulation an den unglaublichen Sieger Sämi Hürzeler, sowie Ramon Krebs (2.) und Sami Götz (3.)!!!

Und natürlich Respekt, Gratulation und Hut ab vor jedem Finisher / jeder Finisherin von diesem Teufelsrennen :-)

 

Ein grosser Traum von mir ging in Erfüllung, es war ein Risiko aber es hat sich für mich gelohnt :-)

 

 Hier ein paar Fotos:

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Archiv
Please reload