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© 2020 PETRA EGGENSCHWILER

BERICHTE

EUROPAMEISTERIN MITTELDISTANZ DUATHLON 2019

May 12, 2019

Wie fasst man etwas Unglaubliches am Besten in Worte? Keine Ahnung.. und doch werde ich es versuchen :-) Kurz zusammengefasst: EUROPAMEISTERIN IM MITTELDISTANZ DUATHLON 2019!

Die etwas längere Version:
Am 9.5.19 reiste ich mit dem Zug nach Viborg, im Norden Dänemarks, wo zwei Tage später (also gestern) die Duathlon Mitteldistanz Europameisterschaft stattfand. Den Tag vor dem Rennen nutzten wir noch aus, um die Lauf- und Radstrecke zu besichtigen. Die Laufstrecken waren 2 x 10 km lang, à je 2.5 Runden. Die 60km lange Radstrecke führte über 2 Runden à 30km durch eine sehr ländliche Gegend ausserhalb Viborgs. Jedoch merkten meine Kaderkollegin Melanie Maurer und ich bereits bei der Besichtigung, dass es alles andere als einfach werden würde. Es herrschte ein heftiger Wind, gefühlte 3/4tel der Strecke kam der Wind natürlich von vorne und bremste einen so richtig aus. Naja egal, es ist KEIN Windschattenrennen und für alle werden somit fairerweise die gleichen Bedingungen herrschen. Der Rest des Tages nutzte ich zum Entspannen, durchs Städtchen zu schlendern und noch eine Stunde locker schwimmen zu gehen. Am Abend gings noch ans Race-Briefing und die Startnummernausgabe, danach stärkten wir uns mit Gemüse-Ravioli (wobei leider mehr Gemüse als etwas anderes) und einer Portion Pommes für den kommenden Tag.

Ich muss noch erwähnen, dass aus irgendeinem Grund mein Selbstvertrauen im Keller war… ich dachte schon am Racebriefing am Vorabend: Was mache ich hier?! Ein paar Elite Athletinnen kannte ich und wusste, wie stark sie sind. Von anderen wusste ich, dass sie Vollprofi sind und einige kannte ich gar nicht. Ich bin normalerweise nicht die, die rechnet, jedoch rechnete ich mir aus, dass ich auf die super starken Läuferinnen pro 10km Lauf 2 Minuten einbüssen werde (das ist mehr als realistisch). Dann dachte ich, 4 Minuten auf einer 60km langen Radstrecke ist eine sehr lange Zeit und wohl unmöglich aufzuholen. Ich weiss, man sollte nicht rechnen, und trotzdem rechnete ich mir wirklich keine Chancen aus. Ich wusste zwar, dass ich momentan in Form bin, aber für einen Top 5 Rang würde es wohl eher nicht reichen. Einige der Mädels lagen auch an der Kurzdistanz WM im letzten Jahr deutlich vor mir im Schlussklassement (ok, dort war Windschattenfahren auch erlaubt…).

Race-Day: Gestern am 11.5.19 nach einem super guten Zmorge bereitete ich mich auf das Rennen vor, nervös war ich eigentlich bis kurz vor dem Start kaum. Mein Motto: Das Beste geben, mehr geht sowieso nicht, ob man da als Langdistanz Weltmeisterin am Start steht oder nicht spielt keine Rolle. Druck setzte ich mir keinen auf. Der Startschuss für das Elite Frauen Feld fiel am Mittag bei strahlendem Sonnenschein. Alle rannten los wie vom Teufel gejagt, das Tempo auf den ersten 10 Kilometer (welche eher hüglig waren als flach) war hoch. Ich versuchte mich irgendwie einzureihen, den Anschluss nicht zu verlieren. Die schnellen Läuferinnen rannten vorne weg, verpassten jedoch einen Abzweiger und büssten etwa 30 Sekunden ein. Es dauerte nicht allzu lange, da holten sie uns wieder ein und übernahmen wieder die Spitze. jedoch hatten wir sie ab dann immer im Blickfeld! Zuerst bildete ich mit den anderen Schweizerinnen Melanie Maurer und Nina Zoller ein Dreiergrüppchen. Irgendwann zog es auch uns auseinander und Melanie versuchte vorne mitzulaufen. So kam ich als vierte Frau in die Wechselzone, aber was war los?!? Tatsächlich hatten die anderen Mädels keine 2 Minuten Vorsprung sondern nur rund 20 Sekunden!!! Das gibt’s doch nicht.. naja okay, das Rennen war noch jung. Im Wechseln bin ich auch keine Rakete. Ab aufs Velo!! Darauf freute ich mich schon seit dem Startschuss. Ich wusste, um auch nur annährend Podestchancen zu haben musste ich wirklich alles reinlegen! Ohne Kompromisse. Das tat ich auch, ich trat mächtig in die Pedale, pushte und überholte eine Engländerin recht früh. Die Österreicherin und Europameisterin 2018, Sandrina Illes, zog mit Melanie davon, doch auch Sandrina kam ich - zu meinem Erstaunen - schnell näher und konnte auch sie ein- und überholen. Es lief mir super, ich fühlte mich pudelwohl auf zwei Rädern und hielt das Tempo hoch. Nun führte Melanie das Rennen an, denn das Motorrad fuhr vorne weg. Die hüglige Velostrecke forderte einen immer wieder, mit knackigen und schnellen Anstiegen. Ich sah zwar Meli vorne, versuchte aber genau mein Tempo zu halten und zwar konstant hoch. So schaffte ich es (zu meinem noch grösseren Erstaunen, denn ich weiss wie gut sie velofährt) auch meine Teamkollegin einzuholen und übernahm somit die Spitze des Elitefeldes. Wie cool war das denn! OK, ich wusste aber auch nicht wie gut die Profi Triathletin und die anderen Athletinnen auf zwei Rädern sind, also keine Zeit zum Freuen sondern einfach „trampen“ was das Zeug hält! Irgendwann kehrte die Strecke und es war mächtig Gegenwind vorhanden, und wenn ich sage es war echt ein brutaler Gegenwind dann heisst das auch was. Aber wie anfangs gesagt, es geht allen gleich! Jeder und jede wird kämpfen, wird leiden und es wird jeden fertig machen. Nur nicht nachgeben, alles geben, ich wusste die starken Läuferinnen kämen auf den letzten 10 Lauf-Kilometern bestimmt wieder näher, darum galt: Soviel Zeit wie möglich rausfahren.
Nach total 60km ging’s wieder auf die holprigen Pflastersteine und in die Wechselzone, bis dahin hatte ich NULL Ahnung wie weit Vorsprung ich wirklich hatte!! Es waren jedoch knapp vier Minuten auf die Zweitplatzierte, ja gibt’s denn sowas?! Ok man sagte mir es seien zwei Minuten, und das kann man auf 10km definitiv aufholen. Deshalb gab ich nochmals recht viel, damit das nicht passiert. Irgendwann wusste ich jedoch, dass das Polster grösser war als angedeutet und es wirklich fast 4 Minuten waren. Dann konnte ich auch einen Gang runterschrauben, und die letzte Runde noch „geniessen“. Gelitten hab ich natürlich trotzdem, aber mit 4 Minuten konnte mir wohl auch eine Topläuferin wie Sandrina oder so nichts mehr anhaben (wenn alles normal läuft).

Unglaublich, unfassbar, und total dankbar und happy lief ich als Siegerin der Duathlon Mitteldistanz EM über die Ziellinie! Es war genial, ich konnte das Rennen wirklich auf dem Velo für mich entscheiden und holte mir so diesen wahnsinnig genialen und wertvollen Titel nach 2h54min auf einer Strecke von 10km Laufen / 60km Velo und 10 km Laufen :-) und das coolste an der Sache: Die Schweizer Hymne erklang für zwei Schweizer Sportlerinnen! Melanie Maurer wurde Vize-Europameisterin vor der drittplatzierten Profi-Triathletin Alice Hector aus England! GRATULATION MELI!! Und Gratulation auch an unsere Schweizer Männer, obwohl es nicht allen gut lief habt ihr super gekämpft! Und eine gaaaanz grosse Gratulation an Nina Zoller, welche einen sooo starken ersten Lauf und Veloabschnitt hingelegt hat, jedoch dann aus Übelkeit sich irgendwie noch ins Ziel seuchen musste. Ja, Geologinnen sind halt beinhart wie Granit, gell Nina ;-)

Einen grossen Dank gilt auch an Stefan (Begleiter von Nina) für den tollen Support und die genialen Fotos (siehe Fotogallerie).
Jetzt reise ich gerade per Zug nach Hause und schreibe diesen Bericht, ich möchte mich schon jetzt für alle Schreibfehler entschuldigen ;-)

Fotos: Stefan Schwenke (@schwenkestefan), Ingo Kutsche (@ingo_kutsche_photo), EuropeanTriathlonUnion

 

 

 

 

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