BERICHTE

Ironman 70.3 Mallorca

Die Qualifikation für den Start im PRO Feld am Ironman Hawaii im Oktober 2022 hatte ich mir beim 2. Rang am Ironman Switzerland 2021 ergattert. Doch ohne je einmal im Meer geschwommen zu sein, wäre es wohl ein zu gewagtes Vorhaben. So entschied ich mich, am 7. Mai den Halbironman (Ironman 70.3) in Alcùdia Mallorca zu bestreiten. Der 12. Schlussrang im stark besetzten Elite (PRO) Feld der Frauen war zwar nicht das, was ich mir erhofft hatte. Jedoch war ich froh, es aufgrund Schmerzen beim Lauf überhaupt ins Ziel geschafft zu haben.


Nun aber von vorne:


Nach Ankunft in Mallorca dachte ich, es wäre möglicherweise eine gute Idee, vor dem Rennen mal ins Meer zu gehen. Zugegeben, ich habe wirklich Angst und Respekt vor dem Schwimmen im Meer. Anders als in einem See, ist es mir im Meer einfach nicht wohl (nicht zuletzt wohl wegen meiner Quallen Phobie). Trotzdem schwamm ich mit meinem Teamkollegen Jiri gute 10 Minuten, also raus bis ich ne Qualle gesehen und eine halbe Panikattacke hatte, dann etwa doppelt so schnell zurück an den Strand .... das kann ja heiter werden.


Jedoch war meine Meer-Schwimm-Angst nicht das einzige, was nicht ideal lief. Eine Woche zuvor bestritt ich den Tüüfelsschluchtlauf und spürte seit dann (wieder) meine Gesässansatzsehne, mit welcher ich in der Vergangenheit oft zu kämpfen hatte. Ich wusste nicht, ob ich starten soll oder nicht. Jedoch gab es einige Gründe, es doch zu versuchen: Weite Reise, meine Eltern waren auch dabei, Wettkampf mit Schwimmen im Meer, tolle bergige Velostrecke, die Möglichkeit, ein (halb)Ironmanrennen in der PRO Kategorie starten zu dürfen und sich somit mit den Besten messen zu können.

So entschied ich mich, zu starten.


Meine Eltern waren auch dabei, so konnten wir noch ein paar gemütliche Velo Ausfahrten unternehmen. Und wenns dann doch nicht klappen sollte, waren es immerhin schöne Ferien.


Am Renntag war ich wirklich nervös, sowas kannte ich von mir nicht. Ich hatte wahnsinnig "Schiss" die 1.9 km im Meer in Port d'Alcùdia zu schwimmen... aber ich hoffte auch, dass wenn das Startsignal fällt, ich den Kopf abschalten kann. Immerhin gingen die Athleten des ganzen Ironman sowie die PRO Männer vor uns ins 17.5 Grad kühle Meer. So klammerte ich mich stets an den Gedanken, dass die alle Quallen und sonstige Ungeheuer bereits weg räumen :-)


Dann gings los: GO! Unter riesigem Publikumaufgebot am Beach von Port d'Alcùdia stürmte das stark besetzte PRO Frauen Feld ins Meer. Und tatsächlich, ich schaltete ab und rannte was das Zeug hält, hechtete ins Wasser und ab die Post! Ich konnte sogar eine gewisse Zeit mitschwimmen, natürlich am Ende des Feldes. Die starken Schwimmerinnen waren dann bald weg, doch ich konnte zwei Mädels ein und überholen :-) das gibts sonst kaum im Wasser.... und ja, ehrlicherweise muss ich sagen dass mich die Angst zwar wieder eingeholt hatte und ich wieder daran dachte, was da alles unter mir, neben mir, hinter mir, vor mir herumschwimmen könnte. Dennoch probierte ich das mit schnellerem Schwimmen zu kompensieren, sodass mich die Qualle nicht erwischte ;-) ich war sooo erleichtert als nach der Wende nach rund 1 km endlich wieder der Strand angepeilt werden konnte! Und siehe da, ich kam nicht als letzte PRO Frau aus dem Wasser :-) okay nun meine Lieblingsdisziplin, ab auf die 2 Räder! Zuerst musste man eine Ewigkeit Barfuss zur Wechselzone rennen, die Sachen Packen und eine weitere Ewigkeit zum Velo rennen. Die Wechselzone war wirklich wahnsinnig lang, starteten doch etwa 4000 Halbironman- und 3000 Ironman-Athleten.


Velo gefasst, Helm montiert, aufs Velo hüpfen und tschüss. Doch dann hatte ich mächtig Mühe, mit den nassen Salzwasserfüssen in die Veloschuhe zu schlüpfen...... es wollte einfach nicht klappen, so verlor ich sicher mindestens 1 Minute, bis es endlich klappen wollte. Dann aber konnte ich Gas geben und meine Aufholjagd starten. Die etwas später startenden Age Groupe Athleten waren auch zahlreich vertreten, konnten mich die Schnelleren doch im Wasser gäbig ein und überholen. Zuerst fuhren wir flach der Küste entlang und dann in Richtung Berge der Serra Tramuntana. Bereits hier konnte ich einige überholen, wenn auch nur wenige der PRO Kategorie. Als es dann endlich bergauf ging wusste ich, dass dies nun mein Abschnitt ist um zu punkten. So konnte ich Ränge gut machen und fühlte mich pudelwohl. Die Gegend atemberaubend schön. Es hätten für meinen Geschmack noch 2 weitere solche Berge gefahren werden können, jedoch war nach rund 700 oder 800 Höhenmetern die Passhöhe erreicht und es führte eine technisch anspruchsvolle Strecke mit vielen Haarnadelkurven zurück ins Tal. Es wäre sicher gäbiger gewesen, die Strecke zu kennen, aber für alles reichte die Zeit seit der Ankunft am Mittwochabend einfach nicht.


Als es dann unten hüglig und flach weiter ging konnte ich erneut zwei Ränge gut machen. Ich pushte und das Gefühl, eine gute Velozeit hinzulegen, war definitiv da.


Nach 93 km kam die Wechselzone, ich hüpfte vom Rad, rannte zu meinem Platz und dann eine gefühlte Ewigkeit zu meinem Material. Laufschuhe an, Helm ab und GO! Jetzt wirds spannend... wie gehts meinem Gesässansatz?! Komme ich mit nur leichten Schmerzen durch?! Der erste Kilometer ging flott, ich fühlte mich super aber es zwickte bereits. Das wars dann auch mit dem guten Laufgefühl. Die Schmerzen waren nun definitiv da. Aber ich wusste, es bringt nichts aufzugeben weil es nun bereits gereizt ist und es keinen grossen Unterschied machen würde, 5 km oder die 21.1 km zu rennen. So quälte ich mich irgendwie durch, konnte kein anständiges Tempo mehr laufen und musste mich von 3 PRO Frauen überholen lassen ohne etwas dagegen tun zu können... es war so deprimierend und ernüchternd. Konnte ich mit den ersten zwei Disziplinen mehr als zufrieden sein, und dann das. Aber eben, es war ein Risiko. Und ich konnte das Rennen tatsächlich finishen, was mir sehr viel bedeutet. Klar, der 12. Rang vom 18 Elite Frauen war nicht das, was ich mir erhofft hatte. Aber eine weite Reise, meine Eltern welche mich so toll unterstützten, und allgemein das Rennen selbst zeigten mir, dass es richtig war es durchzuziehen. Oder war es einfach wieder mal der stuure Steibock-Gring?! :-)


Wie auch immer, leider weiss ich nun nicht wie meine weitere Saison verlaufen wird, bzw. ab wann ich wieder ans Laufen denken kann. Und falls es wieder klappt, ob ich mich wirklich für den Ironman Hawaii und seiner noch anspruchsvolleren und doppelt so langen Schwimmstrecke überwinden kann :-(


Vielen Dank an alle, die mitgefiebert und mich in irgendeiner Form unterstützt haben. Und natürlich an meine Eltern mit der TOP Unterstützung vor, während und nach dem Rennen :-) ich bedankte mich dann mit einer wunderschönen Velotour am Folgetag nach Cap Formentor :-)



Archiv