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© 2019 PETRA EGGENSCHWILER

BERICHTE

3. RANG AM JUNGFRAU-MARATHON!

September 13, 2017

Folgendes Video zeigt wohl am eindrücklichsten, was für eine riesige Freude ich auf den letzten paar Meter vor der Ziellinie des Jungfrau Marathons verspürte.

 

VIDEO JFM PETRA

 

Zusammengefasst: In einem sehr harten Rennen wurde ich overall 3. Frau und verbesserte mit 3h35min08sek meine persönliche Bestzeit um satte 10 Minuten! Der Jungfraumarathon hat national und international einen riesigen Status. Läufer von aller Welt kommen ins Berner Oberland. Umso mehr freue ich mich natürlich, auch international im Berglauf ein Wörtchen mitreden zu können :-)

 

Diejenigen, welche es ein bisschen ausführlicher mögen, hier der gesamte Bericht:

Der Tag begann kühl und leicht regnerisch. Interlaken zählte an diesem 9.9.2017 tausende Läufer, welche die 42.195km und 1829 Höhenmeter alleine oder im Team unter die Füsse nahmen.

 

Ich habe mir den Jungfraumarathon (neben dem Inferno Triathlon) als mein zweites grosses Saisonhighlight gesetzt. Mit dem Wissen, mit so wenig Laufkilometer in den Beinen einen Marathon zu rennen, waren meine Erwartungen an mich selber recht gering. Trotzdem wollte ich unbedingt teilnehmen, da dieses Rennen einfach absolut genial ist!

 

Dario Cologna gab den Startschuss um 8.30 Uhr in Interlaken. Ich stand in der zweiten Reihe an der Startlinie des Eliteblocks und dann ging’s los.

Die ersten 10km waren flach, meist asphaltiert aber auch auf Kiesstrassen. Ich fühlte mich gut, richtig gut, überheizte nicht und schloss mich einer Gruppe an. Am Anfang waren da noch ein paar Elitefrauen dabei, irgendwann jedoch versuchte ich das Tempo zu verschärfen und rannte mit zwei Männern dem Rest der Gruppe davon. Zu dritt rannten wir bis zirka km 8, bis dort hin kam ich auch der führenden Frau, Maude Mathys, bis auf etwa 20 Meter immer näher. Ab dann jedoch entschied ich mich, die zwei Männer gehen zu lassen (das Tempo war doch etwas gar „gäbig“). Trotzdem, als ich bei km 10 auf die Uhr schaute traute ich meinen Augen nicht. Fast hätte ich meine persönliche 10km Bestzeit geschlagen! Die Uhr zeigte 36min50sek an und somit war ich etwa eine Minute schneller als im Frühling (vor der Fuss OP) an der 10km Strassen Schweizermeisterschaft, und man beachte, es waren die ersten 10km des Jungfrau Marathons! ;-) Egal, ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen und rannte mein Tempo weiter. Grundsätzlich schaue ich nämlich nie auf Zwischenzeiten, ich laufe einfach so schnell und so gut wies geht (auf die Enddistanz angepasst natürlich). Weiter ging's dann coupiert der Lütschinen entlang durch's Lauterbrunnental hoch nach Lauterbrunnen, wo ich die Halbmarathondistanz nach 1h22min40sek zurücklegte. Den zweiten Teil der coupierte Schleife Richtung Stechelberg und zurück nach Lauterbrunnen jedoch versuchte ich bewusst etwas langsamer anzugehen, um dann genug Kraft für den steilen Anstieg nach Wengen zu haben. Dies hat sich ausbezahlt. Meine treuen Betreuer Dominik, Jordi, Höisu und mein Vater versorgten mich an diesem Tag mit Bidons und vor dem Aufstieg nahm ich sogar ein Gel zu mir! (ja das ist eine Seltenheit…).

Nun war ich ready für den zweiten Teil des Marathons, auf welchen ich mich am meisten freute. Als es steil wurde fühlte ich mich super, genau mein Ding! Zwar holte mich irgendwann die Deutsche Michelle Mayer auf, jedoch wusste ich das von Anfang an, denn sie ist ein Berg-Phänomen! Nun war ich an 3. Stelle (immernoch unfassbar!) und versuchte weiterhin mein Bestes. In Wengen war wie auch schon in Lauterbrunnen (und allgemein auf fast der ganzen Strecke) die Hölle los! Hunderte Leute, welche lautstark anfeuerten, Schweizerfahnen, Kuhglocken, Musiken, das ganze Programm! Ich wusste, dass mir einige Frauen auf der Ferse waren, denn der Speaker in Wengen gab lautstark die Durchsage.

Langsam machten sich meine Beine dann doch bemerkbar, nach Wengen fühlte ich mich nicht mehr wirklich frisch und ich hatte ein bisschen eine Krise. Als mich dann noch eine Italienerin überholte und es bei ihr recht locker aussah wurde mir bewusst, dass ich wohl wirklich nicht mehr mag. Es war coupiert, nicht wirklich steil, und das bis Wixi. Dort bekam ich von meinem Vater wieder ein Bidon, dann ging’s kurz steil bergab und dann – ja dann endlich volle Kanne rauf, richtig steil, auf Trails mit Wurzeln und Steinen, alles was das Bergläuferherz begehrt eben :-) und genau so wie ich es mag! Von da an (es war zwar saumässig hart) blühte ich wieder auf. Ich rannte alles, egal wie steil, und hoffte einfach dass mich nicht noch mehr Frauen einholen. Denn auch ein vierter Rang wäre wirklich ein super Resultat!

Die Temperatur wurde immer kälter, der Nieselregen hörte nicht auf und die Wege waren rutschig. Der Trail führte dann aus dem Wald und über vom Gletscher abgeschliffene Steine. Plötzlich sagte ein Wanderer zu mir, ich solle Gas geben, die 3. Frau sei gleich da vorne! Dann sah ich durch den Nebel die Italienerin, welche mich nach Wengen überholte. Jetzt musste ich beissen, war da sogar noch mehr als ein 4. Rang möglich? Ich versuchte nochmals einen Zahn zuzulegen und konnte sie tatsächlich überholen! Egal wie hart, egal wie steil, egal wie technisch… jetzt durfte ich auf keinen Fall schwach werden und wandern. Ich musste durchbeissen! Wer weiss wie viele Konkurrentinnen mir noch auf den Fersen waren.... Schlussendlich führte der Trail in die berühmte Moräne, die letzten ca. 2-3km des Jungfraumarathons, bis zum Punkt Eigergletscher wo der Dudelsackspieler wie jedes Jahr den höchsten Punkt des Rennens markiert. Den Dudelsack hörte ich schon von weitem, jedoch bei einer Sichtweite von ca. 10-20 m (Nebel) sah ich ihn lange nicht. Auf einmal ging’s aber schnell, da war er, ENDLICH! Und von da an ging’s fast nur noch bergab. Mir war bewusst, ich bin nicht die allerschnellste Bergabläuferin und meinen Beinen war auch nicht mehr viel zuzumuten, doch ich riss mich zusammen und gab nochmals echt alles was ich konnte und meine "Scheichli" noch hergaben. Der Nebel machte die Sache nicht einfacher, doch die Zuschauerdichte nahm wieder massiv zu, der Applaus, die Zurufe und die motivierenden Worte des Publikums zeigten mir an, ich habe es geschafft! Nach 3h35min08sek überquerte ich die Ziellinie des Jungfraumarathons auf der Kleinen Scheidegg als 3. Frau und konnte es wirklich nicht glauben (siehe Fotos). Nachdem ich sofort ein Kurzinterview in’s Mikrofon geben musste (mein Mund war aber eingefroren und ich war total ausser Atem, ich glaube man verstand genau gar nix) konnte ich endlich zu meinen Begleitern, denn auch ihnen hab ich dieses super Resultat zu verdanken! Nach dem Zeitungsinterview ging’s zur FlowerCeremony, dann in die Dopingkontrolle und dann mit dem Bähnli zurück nach Interlaken, wo am Abend dann im Rahmen eines riesigen Festes die Siegerehrung stattfand.

Ich gratuliere allen Finishern zu der super Leistung! Und natürlich gratuliere ich auch Maude Mathys zum Sieg und dem neuen Frauen Streckenrekord! Wahnsinn. Auch gratuliere ich Michelle Mayer, der zweitplazierten, zu diesem super Rennen.

 

Nun werde ich eine Wettkampfpause einlegen und im Herbst vielleicht noch das eine oder andere Rennen nach Lust und Laune bestreiten. Der Jungfraumarathon und der Inferno Triathlon haben mir aufgezeigt, dass auch nach langer Verletzungspause es möglich ist, stärker denn je zurückzukommen. Jedoch soll man es auch nicht übertreiben und den Erfolg geniessen :-)

 

Hier noch ein paar Impressionen:

 

 

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