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© 2019 PETRA EGGENSCHWILER

BERICHTE

Inferno Triathlon

August 22, 2016

Am 20.8.16 startete ich am Inferno Triathlon. Dieses Rennen beinhaltet 3.1km Schwimmen von Thun nach Oberhofen, 97km mit 2145 Höhenmetern Rennradfahren von Oberhofen via Beatenberg - Meiringen - grosse Scheidegg nach Grindelwald, 30km mit 1180 Höhenmetern Biken von Grindelwald über die kleine Scheidegg nach Stechelberg, und (zum Dessert) noch 25km und 2175 Höhenmeter Laufen von Stechelberg via Mürren auf das Schilthorn. Es war meine allererste Teilnahme und mein erst dritter Triathlon überhaupt.
Das Schwimmen:
Ich gebe zu, es war mir schon etwas mulmig morgens um 6.30 am Thunersee mit all den guten Schwimmern und weit in der Ferne das beleuchtete Schloss in Oberhofen, welches unser Schwimmziel war. Schwimmen ist eigentlich nicht meine Stärke, und doch hab ich einige Zeit ins Schwimmen investiert, also im Schnitt 1 x pro Woche ca. 3km (jaja ich weiss Triathleten schwimmen hundert mal mehr... aber für eine Duathletin ist das viel ;)). Nach dem Start in der Morgendämmerung ging bereits die Post ab.. alle Single Athleten, 2er Team und 4er Team Schwimmer/innen rannten in den See und hechteten ins Wasser... ich dachte, solange ich laufen kann im untiefen Wasser mache ich das auch. Irgendwann jedoch musste auch ich abtauchen und beginnen zu crawlen. Nach dem ersten Zug jedoch realisierte ich, dass es total anders ist als ich es mir gewohnt bin. Ich kriegte kaum Luft, durfte mich nicht gross anstrengen und schluckte viel Wasser und kam überhaupt nicht auf touren. Es war so schlimm, dass ich zu Beginn oft Brust schwimmen musste. Es breiteten sich sehr viele negative Gedanken in meinem Kopf aus, ich bekam Panik es nicht schaffen zu können denn es war so weit und das im offenen See. Noch immer kriegte ich kaum Luft, mein Neopren war so eng und dann schaute ich nach hinten und realisierte, dass ich eine der letzten Schwimmer bin und das Feld schon lange davon gezogen ist. Ein paar vereinzelnte Schwimmer waren noch in der Nähe, nun musste ich mich zusammenreissen damit mir diese nicht auch noch davon schwimmen und ich mich gar nicht mehr orientieren kann und ganz alleine schwimmen musste. Immer wieder musste ich Brust schwimmen, da ich bei zu grosser Anstrengung einfach keine Luft und Angst bekam. Es war so komisch, ich wusste ich kann 3km problemlos in 60 Minuten Crawlen, aber eben, das ist im Pool und ohne diesen engen, luftabschneidenden Neopren. Ohne hohe Wellen, welche an diesem Morgen doch recht hoch waren im See. Dafür mit Orientierung, welche mir im See total fehlte. So ab dem zweiten Drittel lief es mir plötzlich gut. Ich konnte endlich ziehen, richtige dreier Atemzüge machen und fühlte mich sehr gut. Trotzdem kam ich als eine der letzten aus dem Wasser, was mir aber egal war denn ich wusste meine Stärke kommt jetzt!

Das Rennvelo:
Mit dem nassen Einteiler ab aufs Rennrad. Bereits nach wenigen Sekunden ging's steil bergauf mit Ziel Beatenberg. Ich überholte ständig leute, wurde selber nie überholt und das bestätigte meine extrem schlechte Schwimmzeit nochmals :-) egal, ich konzentrierte mich nur noch auf die Rennvelodisziplin und fühlte mich super, ich flog quasi den Beatenberg hoch. Hinab ging's dann mit zeitweise 75km/h nach Interlaken und anschliessend plus minus flach nach Meiringen. Auch auf der endloslangen Flachpassage überholte ich ständig Athleten, und natürlich auch unzählige mit gelben Startnummern (Single Athletinnen). Der steile Aufstieg von Meiringen auf die grosse Scheidegg ging auch im Nu vorbei, ich fühlte mich super und erreichte den auf ca. 1950 müm gelegenen Pass ohne mich total auszugeben. Die steile und schwierige Abfahrt runter nach Grindelwald verlangte den Bremsen alles ab, doch ich kam heil in der Wechselzone an. Meine Velozeit war, so stellte sich nach dem Rennen heraus, die Beste Zeit aller gestarteten Single Athletinnen (3h50min)! :) Ich holte etwa 40 Ränge auf und war jetzt auf dem 7. oder 8. Rang.

Das Biken:
Das Biken war dann schon weniger zügig, der Aufstieg auf die kleine Scheidegg war steil und mein Bike zu schwer (oder es kam mir so vor). Obwohl ich mich nicht voll ausgegeben hatte auf dem Rennvelo fühlten sich meine Beine nicht mehr wirklich gut an und ich konnte nicht mehr so Gas geben wie ich es mir gewohnt war. Trotzdem überholte ich noch unzählige Athleten. Oben angekommen (auf ca 2100müm) wusste ich, dass ich bei der Abfahrt Gas geben muss um die verlorene Zeit zu kompensieren. Ich riskierte recht viel, hatte ein hohes Tempo bergab und überholte sogar noch (obwohl Bergab nicht meine Stärke ist im Normalfall). Eine Kurve jedoch wurde mir zum Verhängnis, mein Vorderrad rutschte weg und ich stürzte. Glück im Unglück, ich kam mit ein paar blauen Flecken und einer (recht stark) schmerzenden Hand davon und war von nun an vorsichtiger bei der Abfahrt, auch da ich die Hand nicht mehr so belasten konnte wie ich sollte. Ich erreichte die Wechselzone in Stechelberg, zog ein Laufshirt und die Laufschuhe an und machte mich auf den Weg...

Das Laufen:
Das Laufen führte von Stechelberg via Lauterbrunnen hoch nach Mürren. Diese 17km und 850HM konnte ich joggen, denn ich wusste später wird es noch genug Wanderpassagen geben wo das Joggen nicht mehr möglich sein wird. Trotzdem, ich hatte keine Ahnung wie die Strecke sein wird da ich noch nie in dieser Gegend war. Mein Fuss... ja der Fuss... den spürte ich v.a. Bergauf ziemlich stark, aber da ich bei jeder Verpflegungsstation kurz anhielt um mich zu verpflegen, konnte er sich auch etwas erholen und ich biss auf die Zähne. In Mürren warteten meine treuen Betreuer (meine Eltern und mein Freund) auf mich um mich zu motivieren (bzw. meine Mutter sah mich an und dachte ich wolle aufgeben) und ein trockenes Shirt zu geben. Die Läufer der 2er und 4er Teams waren nun im Ziel, nur die Single Athleten noch nicht. Wir kriegten zum Dessert noch den Aufstieg aufs über 2900müm gelegene Schilthorn serviert!! Nach Mürren konnte ich immernoch eine rechte Strecke joggen, aber es war jetzt wirklich wiiirklich hart. Schliesslich entschloss ich mich, wie die anderen auch, zu wandern. Jedoch war selbst das Wandern sehr anstrengend, meine Waden und Oberschenkel waren tot und mochten nicht mehr. Die Luft wurde dünner und der Sauerstoff knapper, was die Sache auch nicht einfacher machte. Wer bereits mal die Wanderung aufs Schilthorn unter die Füsse genommen hat weiss, wie steil es ist! z.T. klettert man auf allen vieren hoch, über Felsen und Bäche. Landschaftlich wunderschön, aber ich war da nur noch ein Häufchen Elend. Eigentlich gehört Berglauf zu meinen besten Disziplinen, ich dachte ich bin ja Vize-Berglauf-Schweizermeisterin, das wird wohl nicht so schlimm sein..... DENKSTE! es war hart, extrem hart.... das Härteste was ich je gemacht habe. Von weitem sah man das Ziel, das Drehrestaurant auf dem Schilthorn. Irgendwann hörte man den Speaker, aber es dauerte trotzdem noch ewig...... und dann, nach einer Wettkampfzeit von total 10h56min, etwa 2 Tafeln Ovo-Schokolade und X Bananen habe ich es tatsächlich geschafft!!!!! ZIEL INFERNO TRIATHLON 2016 !!! Ich hatte es geschafft, torkelte über die Finishline und wurde von meinen Eltern und meinem Freund, welche den ganzen Tag angefeuert und betreut und ausgeharrt hatten, in Empfang genommen. Nach einem Dafalgan ging's auch meinen Kopfschmerzen wieder besser und ich konnte es langsam realisieren was ich da geschafft hatte :-)

Schlussendlich resultierte "nur" der 8. Frauen Rang und obwohl ich mir Top 5 zum Ziel gesetzt habe bin ich trotzdem happy und stolz dieses Rennen über die Ziellinie gebracht zu haben :-) Es war ein wahnsinns Erlebnis, das härteste was ich je gemacht habe. Das Rennen war wunderschön, TOP organisiert bis ins letzte Detail und es ist eine Teilnahme definitiv wert! Auch wenn ich das Schwimmen total vermasselt habe, konnte ich, für meine erste Teilnahme, ein gutes Rennen zeigen. Jedoch hab ich etwa 25 Minuten auf die Spitze verloren beim Schwimmen, was unmöglich aufzuholen ist. Aber wie gesagt, irgendwann war mir der Rang egal und nur die Ziellinie war das was zählte. Ein riesen Dankeschön an meine Eltern, meinen Freund, meinem Trainer, alle die mich angefeuert und mitgefiebert haben und natürlich an das ganze Organisationskomitee sowie alle freiwilligen Helfer des Inferno Triathlons!!! Es war definitiv nicht meine letzte Teilnahme :)

 

 

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